DSC 0562 VersandWestküstenkliniken wollen Studiengang für Physician Assistants aufbauen

Heide, 9. März 2018. Beim Kampf gegen den Fachkräftemangel setzen die Westküstenkliniken auf neue Berufsbilder und wollen an der Westküste einen Studiengang zum Physician Assistant aufbauen.

WKK-Geschäftsführerin Dr. Anke Lasserre hat ein klares Ziel. Sie will gut ausgebildete Menschen an die Westküste und ihr Krankenhaus binden oder sogar aus anderen Regionen hierher holen. Ein Mittel dazu kann aus ihrer Sicht ein Studiengang zum sogenannten Physician Assistant sein. Ein Beruf, der eine Schnittstelle zwischen Medizin und Pflege darstellt und durch die Übernahme medizinischer Aufgaben insbesondere Ärzten mehr Freiraum für die Patientenversorgung schaffen kann.

„Wir haben dazu bereits Konzepte erarbeitet und können uns gut vorstellen, einen entsprechenden Studiengang hier an der Westküste aufzulegen“, sagte die Geschäftsführerin am Mittwoch bei einem Symposium der Westküstenkliniken zum Fachkräftemangel.

Das Konzept des Physician Assistant wurde von Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg positiv aufgenommen. Der Minister ließ bei dem Symposium Sympathien für die Einführung des neuen Berufes im Norden erkennen. „Wir beide machen das“, sagte er in seiner Rede an die Adresse von Dr. Anke Lasserre.
Schon jetzt nehmen die Westküstenkliniken bei der Ausbildung von Physician Assistants eine Vorreiterrolle im Land ein. Als eine von wenigen Kliniken in Schleswig-Holstein bietet sie zurzeit vier Studierenden zum Physician Assistant die Möglichkeit, den praktischen Teil ihres Studiums in Heide zu absolvieren.

Eine davon ist Martina Dichting. Die junge Frau arbeitet zurzeit in der Klinik für Notfallmedizin der Westküstenkliniken in Heide. Vor den Teilnehmern des Symposiums schilderte sie ihre Motivation, sich in Hamburg für den Studiengang des Physician Assistant eingeschrieben zu haben.

„Ich bin ausgebildete Medizinische Fachangestellte, wollte aber mehr Verantwortung übernehmen und das kann ich als Physician Assistant“, erklärte Dichting.

Es sind genau Menschen wie Martina Dichting, die Dr. Anke Lasserre bei ihrer Offensive für den Physician Assitant im Auge hat: hochqualifizierte Fachkräfte aus der Pflege, dem Rettungsdienst oder Praxen, die sich weiterentwickeln wollen.

„Diesen Menschen müssen wir Angebote machen, um sie an die Klinik, aber auch an die Region zu binden“, betonte die Geschäftsführerin.

Bislang gibt es in Deutschland nur sieben Hochschulen, die einen Studiengang zum Physician Assistant anbieten. Die Duale Fachhochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe war dabei eine der ersten Einrichtungen, die diesen Studiengang aufgelegt hatten. Studiendekan Prof. Dr. Markus Hoffmann konnte daher den Symposiums-Teilnehmern seine überwiegend positiven Erfahrungen schildern, wonach nicht nur die beteiligten Kliniken, sondern auch die Absolventen seiner Hochschule zufrieden mit ihrer Berufswahl waren.

„Durch das Studium zum Physician Assistant konnten Kliniken hochqualifizierte Mitarbeiter halten und die Absolventen selber sind zufriedener als vorher mit ihren Aufgaben“, erklärte Prof. Dr. Hoffmann.

Ob und wann ein entsprechender Studiengang auch in Heide eingerichtet werden kann, ist aber trotz des erklärten Willens der Westküstenkliniken offen. Denn das wurde auf dem Symposium auch deutlich: Sowohl in der Ärzteschaft als auch in der Pflege und auf Fachebene des Ministeriums wird der Physician Assistant noch skeptisch betrachtet.

„Durch unser Symposium haben wir aber einen Beitrag dazu geleistet, Skepsis abzubauen und ich hoffe, dass wir mittelfristig auch hier in Heide Studienplätze für Physician Assistants anbieten können“, so Dr. Anke Lasserre abschließend.

Stichwort Physicican Assistant

In den USA, Großbritannien oder den Niederlanden stellt der Physician Assistant bereits ein etabliertes Bindesglied zwischen Arzt, Pflegekraft und Patienten dar. In der Regel übernimmt der Physician Assitant medizinische Aufgaben. Ganz praktisch sind das Vorgespräche zur Patientenaufklärung, Erhebung der Krankengeschichte, Dokumentationsaufgaben oder auch Untersuchungen. „Alle Aufgaben erfolgen aber immer in Rücksprache mit einem Arzt“, erklärt Martina Dichting, P.A.-Studierende an den Westküstenkliniken. „Die Physician Assistants entlasten die Ärzte. Gerade wir Chef- und Oberärzte haben dadurch mehr Zeit für die Patienten und zur Ausbildung unserer Assistenzärzte“, berichtet Angela Grothe-Reith, Chefärztin im westfälischen Rheine, auf dem Symposium des WKK zu dem Thema.

Für das Studium zum Physician Assistant ist eine vorherige Ausbildung in einem medizinischen oder pflegerischen Beruf wie Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungsassistent oder Medizinische Fachangestellte notwendig. Das Studium selber dauert drei Jahre und endet mit einem Bachelor-Abschluss.

Trotz der guten Erfahrungen in anderen Ländern gibt es in Deutschland in der Ärzteschaft und bei Vertretern der Pflege kritische Stimmen. Während die Medizin die Verlagerung von Aufgaben kritisch sieht, fürchtet die Pflege durch die Einführung des neuen Berufsbildes, dass dadurch ausgebildete Pflegekräfte verloren gehen.

Befürworter wenden dagegen ein, dass gerade durch das Studium wechselwillige Pflegekräfte im Krankenhaus gehalten werden und alle Berufsgruppen Entlastung erfahren.

 


Über die Westküstenkliniken

Die Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide gGmbH (WKK) bilden das wichtigste medizinische Zentrum an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und sind zugleich drittgrößtes Gesundheitsunternehmen des Bundeslandes mit insgesamt mehr als 770 Klinikbetten. Die Westküstenkliniken am Standort Heide sind Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Kiel, Lübeck und Hamburg und verfügen zudem über ein eigenes Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen. Als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit seinen 23 Kliniken und Instituten jährlich rund 33.000 Patientinnen und Patienten stationär und teilstationär sowie rund 46.000 ambulant. Mit rund 2.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind die Westküstenkliniken größter Arbeitgeber der Region. Die WKK erzielten in 2016 einen Jahresumsatz von rund 149 Millionen Euro bei einem Überschuss von rund 2,2 Millionen Euro. Gerade das Zukunftsmodell in Brunsbüttel, das sogenannte Integrierte Versorgungszentrum, gilt als herausragende Innovation in der Klinikbranche, denn dort wird die ambulante Versorgung mit der stationären Versorgung vereint. Geschäftsführerin der Westküstenkliniken ist Dr. Anke Lasserre. Informationen im Internet unter www.westkuestenkliniken.de und www.bildungszentrum-wkk.de.


 

Bild: Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (v.l.), WKKGeschäftsführerin Dr. Anke Lasserre und Studiendekan Prof. Dr. Markus Hoffmann führten bei dem Symposium über die Akademisierung von Gesundheitsberufen in das Thema ein.

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