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Lernwelten 2018

Lernwelten 2018 18. internationaler wissenschaftlicher Kongress für Pflege- und ...

Alter und Trauma

Alter und Trauma1

Weidner, Frank et al. (Hrsg.)
Alter und Trauma
Unerhörtem Raum geben
Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main, 2016, b132, S., 34,95 €, ISBN 9783863213367
 

In der Publikation zum Abschlussbericht des Projekts „Alte Menschen und Traumata – Verständnis, Erprobung und Multiplikation von Interventions- und Fortbildungsmöglichkeiten“ werden, nach einer theoretischen Hinführung zum Trauma und Alter, die Säulen des Projekts dargestellt und dessen Evaluationsergebnisse. Herausgegeben unter anderem von Frank Weidner, der den pflegewissenschaftlichen Diskurs beispielsweise mit dem Professionellen im pflegerischen Handeln befruchtete. Der Professor an der PTH Vallendar und Direktor des Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung, setzt als Ziel für das Projekt die gesellschaftliche Sensibilisierung für traumatische Erfahrungen der Älteren.  Die Bedeutung der Thematik ergibt sich aus der Generation, die heute ins hohe Alter kommt, also die Geburtsgänge zwischen 1927 und ´47. Dieser Generation, durch Weltkrieg und Nachkriegserfahrungen traumatisiert, will das Verbundprojekt aus vier Partnern mit Förderung der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und dem Ministerium für Gesundheit Emanzipation, Pflege und Alter Aufmerksamkeit schenken. Dies wird damit begründet, dass die Verdrängung traumatischer Erfahrung einen hohen Kraftaufwand benötige, der im Alter nicht aufgebracht und vorhandene Traumata dadurch aufbrechen würden. Das Werk wird durch die informationsreiche Homepage www.alterundtrauma.de mit Informations- und Unterrichtsmaterialien ergänzt.
 
Der Aufbau des Werks unterteilt sich inhaltlich in die Abschnitte
 
Einleitung
In der Einleitung werden die Hintergründe des Projektes und deren Teilnehmer dargestellt. Dem Überblick über die Zielgruppen (Betroffene und pflegende Angehörige, Ehrenamtliche und Pflegende in der Altenhilfe, Dienste und Einrichtungen mit vorwiegend älteren Menschen sowie Politik und Öffentlichkeit) und Ziele, folgt eine kurze Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen werden aufgezeigt.
 
Literaturanalyse
Die Literaturanalyse listet die recherchierten Quellen auf und unterteilt diese in Schwerpunkte des Traumaereignisses, wie sexualisierte Gewalt, Ausbombung, Verfolgung in der DDR oder Vertreibung. Folgend werden aktuelle Forschungsergebnisse bezüglich den Traumafolgen und das Phänomen der Traumaübertragung aufgeführt. Die möglichen Interventionen werden nach therapeutischen und nicht-therapeutischen aus der Pflege getrennt. Im letzteren wird explizit auf die Notwendigkeit für „die fachliche Aus- und Weiterbildung von Pflegefachpersonen hinsichtlich des Umgangs mit Menschen nach zeitgeschichtlichen Traumatisierungen“ (S. 27) hingewiesen.
 
Das Projekt „Alter und Trauma“
Das Kapitel über den Projektaufbau beschreibt die Projektstruktur und deren Schwerpunkte. Die Beratungsstelle Wildwasser e.V. organisierte Erzählcafés, eine Form der Biografiearbeit, und erstellte Lehr-Lernmaterialien für die Altenpflegeausbildung. Das Institut für soziale Innovationen e.V. veranstaltete Impulsveranstaltungen zur Öffentlichkeitsarbeit, entwarf Konzepte für stationäre Pflegeeinrichtungen für Traumawürdigung und Wertschätzungsgruppen und bot in kleineren Gesprächsgruppen oder Einzelgesprächen fokussierte Traumahilfe für Personen mit besonderem Förderungsbedarf an. Der dritte Projektpartner PariSozial Minden-Lübbecke/Herford ist Träger verschiedener Fachdienste im sozialen Sektor und übernahm die Gesamtkoordination des Projekts. Abschließend wird die wissenschaftliche Begleitung des Deutschen Instituts für Pflegewissenschaft beschrieben und deren Ansatz zur Evaluation.

Projektergebnisse
Die Projektergebnisse werden nach den unterschiedlichen Schwerpunkten des Projektes bzw. den Projektpartnern zugeordnet. Die Ergebnisse werden zum Teil mit Interviewausschnitten, Tabellen und Grafiken unterstützt. Dabei stellt das Autorenteam neben den Ergebnissen u.a. die Gewinnung der Teilnehmer oder parallel zu den Veranstaltungen stattgefundene Beratung dar.
 
Diskussion und Empfehlungen
Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt unterteilt in vier Dimensionen, welche nach den Zielgruppen ausgerichtet sind. Für Betroffene und Angehörige wurde die Ausweitung der niederschwelligen Angebote empfohlen, da bisherige Anlaufstellen von den Betroffenen zu selten genutzt werden oder lediglich aufgrund akuter Traumatisierung aufgesucht werden. Die Dienste und Einrichtungen, als auch die von der Thematik tangierten Studien- und Ausbildungsgänge sollen durch die Implikation der Traumahilfe besser auf die Bedürfnisse älterer Traumatisierter eingehen können. Dazu schlägt das Autorenteam Vertiefung der Biografiearbeit in Altenpflegeeinrichtungen oder eine Erweiterung der Lehrpläne vor.
 
Die Autorenschaft wird nicht den Punkten zugeordnet.
 
Neu an dieser Arbeit ist die Vernetzung zwischen niederschwelligen Beratungsangeboten, Ausbildungsinhalten und Informationsveranstaltungen, für die Versorgung von traumatisierten Älteren. Der 134 Seiten lange Bericht reiht sich in der Literaturanalyse in den aktuellen Diskurs über die Folgen des 2. Weltkriegs aus Perspektive der Deutschen als Opfer ein (gemeint sind die Deutschen, die nicht durch das NS-Regime bedroht waren). So störte mich bei der Lektüre der unkritische bzw. unsensible Umgang mit Literatur. Die Opferzahlen sind immer ein Politikum und sensibilisieren nicht nur ausschließlich für die heutigen Geflüchteten (S.118), wie suggeriert wird, sondern werden auch zur Aufrechnung von deutschen Kriegsverbrechen genutzt. Einen Schlussstrich unter der offenbar lästigen NS-Vergangenheit ziehen zu können ist schließlich ein Anliegen von 58% der Deutschen.
Beispielhaft für die Problematik der Opferzahlen, möchte ich die Vergewaltigungen durch sowjetische und alliierte Armeen aufführen. Wie die verwendeten Quellen andeuten, sind die Zahlen politisch. So verweist Gerhardt darauf, dass im Laufe des Kalten Krieges die Opfer auf alliierter Seite, zunächst ignoriert wurden, da man eine Aufrechnungsdebatte befürchtete, die Opfer der russischen Besatzung im Vergleich dazu überhöht wurden (2016). Hier bleiben diese Zahlen frei von kritischer Wertung. Zudem fehlt die Verstärkung der Traumata durch die Propaganda der Nationalsozialisten. In den Ausschnitten der Interviews („Auch jetzt noch schreie ich nachts, weil ich Angst habe, dass die Russen wiederkommen“ [S. 71]), wird angedeutet, was von Seiten der NS-Propaganda unternommen wurde, um die Kampfmoral der Reichswehr aufrecht zu erhalten - aus Angst vor Vergeltung für den Vernichtungskrieg gegen Russland. Ich vermute hier einen Bezug zur Traumatisierung, auch, wenn von einer Suizidwelle vor dem Eintreffen der Sowjets berichtet wird (Huber 2015). Die Auswirkung der Propaganda zeigt sich z.B. auch in den ebenfalls thematisierten Bombardierungen, wenn wie im Falle Dresdens Augenzeugen von Phosphorbomben berichten, die dort nie eingesetzt wurden.
 
Aus pflegedidaktischer Perspektive bieten die PowerPoint-Präsentationen sicherlich sinnvolle Hinweise, benötigen aber von Lehrenden eine Überarbeitung, bevor dieser Teil des Unterrichts werden können. Die Inhalte sind oftmals verallgemeinernd bzw. vernachlässigen den Einzelfall. Dieser ist jedoch konstitutiv für professionelle Pflege (Weidner 2004). Verwunderlich ist es, dass ein Konzept wie der Validation nach Naomi Feil, heute noch Bestandteil der Lehrpläne für die Altenpflege, keinerlei Erwähnung findet. Auch wenn es wissenschaftlich kritisiert wird, wäre eine Auseinandersetzung in diesem Rahmen angebracht.
 
Das groß angelegte Projekt versucht viele zu erreichen, ist aber aufgrund des geringen Abstraktionsniveaus vor allem für Unerfahrene geeignet oder für diejenigen interessant, die Konzepte entwickeln wollen, traumatisierten Älteren besser Unterstützung zukommen zu lassen. Hier erfährt man viel über verschiedene Ansätze und Angebote, welche gemacht werden können, wenn auch nicht vollständig. Für den Einsatz im Unterricht für Aus- und Weiterbildung kann ich dies nicht empfehlen, es sei denn die Lehrenden sind in der Lage, die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge zu erklären (vor allem in den üblicherweise multikulturellen Klassen der Altenpflege, deren Verwandte vielleicht Opfer der traumatisierten Deutschen geworden sind).

Eine Rezension von Christopher Dietrich

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