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12. - 13. September 2019, Fachhochschule Kärnten, Campus Klagenfurt &...

Who was who in nursing history: CABOT, Richard Clarke
CABOT, Richard Clarke
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 5, Seite(n) 27-30.
 

Biographie

Im Jahre 2001 feierte die Deutsche Verei­nigung für den Sozi­aldienst im Kranken­haus (DVSK) – seit 2003 DVSG (Deutsche Vereini­gung für Sozialarbeit im Gesundheitswe­sen – ihr 75-jähriges Bestehen. Die Ge­schichte der Sozialen Arbeit im Krankenhaus ist freilich schon über 100 Jahre alt. Bereits um die Jahrhundertwende sind in einzelnen Städten des Deutschen Reiches Aktivitäten erkennbar, die zur Entwicklung und Ausbrei­tung der Sozialen Krankenhausfürsorge führ­ten. Die ersten Bemühungen für Menschen in Krankenhäusern, neben der Hilfe durch Medi­ziner und Pflegekräfte, auch Hilfe durch Sozi­alarbeiter zu leisten, erbrachten seit 1896 die Mitglieder der Berliner „Mädchen- und Frau­engruppe für soziale Hilfsarbeit“ unter der Leitung von Lina Basch (1851-1920) , die somit wohl als die erste Krankenhaussozi­alarbeiterin in Deutschland bezeichnet werden kann. Die Initiative ging häufig von einzelnen Persönlichkeiten aus, wobei hierbei insbeson­dere Paula Ollendorf (1860-1938) , Alice Salomon (1872-1948) , Anna Tüllmann (1875-1958) , Hedwig Landsberg (1879-1967)  und Hans Carls (1886-1952)  zu nennen sind. Bedeutend für die „Soziale Krankenhausfürsorge“ in Deutschland waren aber auch das Wirken von Bertha Pappenheim (1859-1936) , Paula Ollendorf (1860-1938) , Hermann Weber (1867-1944) , Alfred Goldscheider (1858-1935) , Clara Schlossmann (1870-1926) , Elsa Strauss (1875-1945) , Kurt von Hugo (1877-1947) , Otto Ohl (1886-1973) , Gertrud Finckh (1887-1956) , Franz Klose (1887-1978) , Irmgard Linde (1903-1993) , Margret Mehs (1929-1999)  und Ilse Güssefeld (1887-1967) . Ihr Wirken wurde nicht zuletzt durch den Amerikaner Richard Clarke Cabot beeinflusst. Dieser ist zwar nicht der Erfinder des Fürsorgedienstes im Krankenhaus (dieser Ruhm gebührt dem Engländer Charles Loch), er kann aber wohl als sein Begründer be­trachtet werden.

Richard Clarke Cabot, der am 21. Mai 1868 in Brookline (Massachusetts) als fünfter Sohn von James Elliot Cabot und dessen Ehefrau Elisabeth (geborene Dwight) geboren wurde, war Arzt und „Lehrer“, dessen Interessen gleichermaßen der Medizin, Sozialarbeit und Philosophie sowie Ethik galten. Nachdem er sein Studium an der Universität Harvard 1889 in Philosophie beziehungsweise 1889 in Me­dizin abgeschlossen hatte, ging Cabot, der 1894 Ella Lyman (1866-1934) heiratete, an das Massachusetts General Hospital in Bos­ton, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Dort führte er 1905 die Soziale Krankenhausfür­sorge, „Hospital Social Service“ genannt, ein. Bis zum Jahre 1912 gab es dann bereits in etwa 40 bis 50 amerikanischen Krankenhäu­sern eine solche Einrichtung.

Richard Clarke Cabot führte die Notwendig­keit eines „Sozialdienstes“ darauf zurück, dass es Ende des 19. Jahrhunderts zu einem „Wechsel in den Begriffen der medizinischen Diagnose und Behandlung“ gekommen war. Mit dem Wissen, dass die sozialen Beziehun­gen des Krankenhauspatienten Auswirkungen auf sein Leben und seine Verhaltensweisen haben, fanden neue Ideen Eingang in das ärzt­liche Handeln. Hierzu schrieb er 1928: „Die Erkenntnis ist nicht neu, daß der Patient als Folge von geistigen und seelischen Störun­gen, moralischer Entartung, Überanstrengun­gen, Kummer und Sorgen an Magen-, Darm-, Herz- und sonstigen körperlichen Störungen leiden mag.“ Diese Erkenntnisse sollten daher bei der Behandlung berücksichtigt werden.

Bereits um 1900 begründete er die Soziale Krankenhausfürsorge wie folgt: „Der Fürsor­gedienst ist allein deshalb im Krankenhaus notwendig, weil Arzt und Schwester sich nicht genügend mit den Beziehungen des Pa­tienten zur Familie, den wirtschaftlichen Ver­hältnissen und seelischen Problemen befassen können. Sein Ziel ist es, häusliche, wirt­schaftliche, erzieherische und psychologische Hindernisse zu beseitigen, die der Genesung entgegenstehen, um Vorsorge zu treffen für die erste Zeit nach der Entlassung des Patien­ten aus dem Krankenhaus.“

Wie er an anderer Stelle formulierte, sei es die Aufgabe der Sozialen Krankenhausfürsorge, „vor allen Dingen an der Wiederherstellung des Kranken mitzuwirken, indem sie wirt­schaftliche Hilfsmaßnahmen ergreift, wenn diese nötig sind, aber auch jedes andere Mit­tel, über das sie verfügt, anwendet zur Erlan­gung des einen Zieles – der Gesundheit. Ihre Tätigkeit in einem Krankenhaus erstreckt sich auf die ambulanten wie auch auf die stationä­ren Patienten; im Krankenhaus, in der Polikli­nik und in der Häuslichkeit, wo immer es möglich ist, soll sie belehren, erklären, bera­ten, unterrichten und erläutern, um die Wie­derherstellung des Patienten zu beschleunigen und zu festigen und dem Ausbruch einer Krankheit (bei demselben Patienten oder an­deren) vorzubeugen.“

Bei der Analyse eines Falles hatte die Soziale Krankenhausfürsorge vier Fragen zu stellen:

Wie ist der Gesundheitszustand des Patien­ten?

Wie ist sein Charakter, sein geistig-morali­scher Zustand?

Wie sind die äußeren Verhältnisse beschaffen, unter denen er aufgewachsen ist und lebt?

Wie sind die geistig-seelischen Einflüsse be­schaffen, unter denen er aufgewachsen ist und lebt?

Über die Bedeutung und die Aufgaben des „Fürsorgedienstes“ veröffentlichte Richard Clarke Cabot eine Reihe von Beiträgen, die – zum Teil von Teil Anni Tüllmann ins Deutsche übertragen – auch in deutschen Fachzeitschriften erschienen, so etwa in „Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswe­sen“, „Fortschritte der Gesundheitsfürsorge“ und „Nosokomeion“. Im Hinblick auf die ent­sprechende Entwicklung in Deutschland kommt auch einem ausführlichen Beitrag über die „Soziale Krankenhausfürsorge“ große Bedeutung zu, der 1928 in Karlsruhe heraus kam. Hierbei handelte es sich um einen Vor­trag, den Cabot auf der „Internationalen Kon­ferenz für Wohlfahrtspflege und Sozialpoli­tik“, die vom 9. bis 13. Juli 1928 in Paris stattfand, gehalten hatte.

Richard Clarke Cabot wirkte auch vier Jahr­zehnte in Harvard als Dozent beziehung­sweise Professor, insbesondere für Philoso­phie (1902-1903), Medizin (1903-1933), So­zialethik (1920-1934) und Theologie (1935 bis 1939). Während er sich in seine frühen Schriften hauptsächlich mit Blut, Serum und körperlichen Diagnosen beschäftigte, wobei seine klinischen Studien in einer Reihe be­rühmter medizinischer Bücher Eingang fan­den, setzte er sich in neueren Veröffentli­chungen insbesondere mit ethischen und phi­losophischen Fragen auseinander.

Richard Clarke Cabot, der am 7. Mai 1939 in Cambridge (Massachusetts) starb, gehörte vielen Berufsorganisationen an und empfing verschiedene Ehren, einschließlich der Gold­medaille des nationalen Instituts für Sozial­wissenschaften sowie drei Ehrendoktortitel.


Literatur

Cabot, Richard C.: A Guide to the clincal exami­nation of the blood for diagnostic purposes. New York 1896 (Fünfte Auflage. Longmans, Green & Co. London 1904).

Cabot, Richard C.: The serum diagnosis of dis­eases. W. Wood & Company. New York 1899.

Cabot, Richard C.: Physical diagnosis of diseases of the chest. Bailliere, Tindall & Cox. London 1901 (13. Auflage. Williams and Wilkins. Balti­more 1942).

Cabot, Richard C.: Case teaching in medicine. A series of graduated exercises in the differential diagnosis, prognosis and tretment of actual cases of disease. Heath. Boston 1906 (Zweite Auflage 1911).

Cabot, Richard C.: Differentialdiagnose anhand von 385 genau besprochenen Krankheitsfällen lehrbuchmäßig dargestellt. Springer. Berlin 1914.

Cabot, Richard C.: Social service and art of heal­ing. Moffat, Yard. New York 1917.

Cabot, Richard C.: What is Hospital Social Work? (Was ist Fürsorgedienst im Krankenhaus?). In: Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswesen, 24. Jg., Heft 19/1928, Seite 548-550.

Cabot, Richard: Soziale Krankenhausfürsorge. In: Fortschritte der Gesundheitsfürsorge, 2. Jg., Nr. 10/1928, Seite 414.

Cabot, Richard: Soziale Krankenhausfürsorge. In: Internationale Konferenz für Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik, Paris, 9. bis 13. Juli 1928. Fünfte Sektion. Braun. Karlsruhe 1928, Seite 1-56.

Cabot, Richard: Social Work in Hospitals. In: No­sokomeion, 1. Jg., 1930, Seite 46-42.

Cabot, Richard C.: The Meaning of right and wrong. Macmillan. New York 1933.

Cabot, Richard: Report on the principles of hos­pital social Service. In: Nosokoeion, 4. Jg., Heft 2/1933, Seite 388-396.

Cabot, Richard: Bericht über die Grundsätze des Fürsorgedienstes im Krankenhaus (Zusammen­fassung). In: Nosokomeion, 4. Jg., Heft 2/1933, Seite 396-397.

Cabot, R[ichard]: Ruf an die Ärzte unserer Zeit. In: Nosokomeion, 5. Jg., Heft 4/1934, Seite 217-219.

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Reinicke, Peter: Krankenhaus. Sozialarbeiter als Partner in der Gesundheitsversorgung. Eine Einführung (Berufsfelder Sozialer Arbeit, Band 12). Beltz. Weinheim, Basel 1994, Seite 12.

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Rörig, Reinhold: Die Entwicklung des Sozial­dienstes im Krankenhaus. In: Deutsche Vereini­gung für den Sozialdienst im Krankenhaus e.V. (Hrsg.): Deutsche Vereinigung für den Sozial­dienst im Krankenhaus 1926-1976. Festschrift. [Selbstverlag]. Mainz 1977, Seite 59-67.

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www.annals.org/cgi/abstract/119/5/417.

www.wcfia.harvard.edu/picar/programm.html.

Bildquelle: www.wcfia.harvard.edu/picar/pro gramm.html.

CABOT, Richard Clarke

Version vom: 
2014-02-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 5. hpsmedia, 2014. S. 27-30

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=10

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